Letzthin habe ich im H&M ein T-Shirt für 15 Franken gekauft. Kurz davor hatte ich für denselben Preis im Restaurant nebenan einen Teller Spaghetti gegessen. Das kann einem stutzig machen. Wie kann ein Kleidungsstück so billig sein, wo es doch bereits unzählige Produktionsschritte durchlaufen und dabei die halbe Welt umrundet hat?
In Gedanken habe ich versucht, den Entstehungsprozess und Weg eines T-Shirts zurück zu verfolgen.
Die kleine Etikette „Made in China“, welche oft auf Kleidungsstücken zu sehen ist, zeigt an, dass die Reise in Asien startet. Die Produktion meines T-Shirts findet vermutlich in einer der riesigen Fabrikhallen einer chinesischen Partnerfirma von H&M statt.
Diese Produktionsstätten sammeln sich oft rund um die riesigen Häfen an der chinesischen Küste an, damit die Ware einfach verschifft werden kann und Transportkosten gespart werden können. Dadurch aber sind die chinesischen Arbeiter gezwungen, ihre Heimatdörfer zu verlassen und fernab von ihrem ländlichen Zuhause das Geld für ihre Familien zu verdienen.
Zusammen mit Tausenden von anderen Kleidungsstücken reiste mein T-Shirt auf einem Riesendampfer rund um Indien, durch den Suezkanal, umrundete Spanien, Portugal und Frankreich um schliesslich in einem Hafen wie zum Beispiel Rotterdam anzukommen. Dort wurde der Container mit meinem T-Shirt auf einen Lastwagen umgeladen, der quer durch Deutschland die Schweiz ansteuerte.
So fand es via dem schweizer H&M Verteilzentrum schliesslich den Weg ins Gestell des H&Ms in St.Gallen.
Fassen wir zusammen, wer direkt oder indirekt an der Entstehung und dem Weg meines T-Shirts beteiligt war: Baumwollplantagebesitzer und –Ernter/Ernterinnen, Modedesigner, Arbeitskräfte in den Fabrikhallen Chinas, Hafen- und Schiffspersonal, Lastwagenfahrer, Verkäuferinnen und Verkäufer der Filiale in St.Gallen etc . Diese alle müssen mit den Einnahmen der Kleider bezahlt werden. Dazu kommen noch Infrastrukturen der Firmen, Miete der Verkaufslokale, Werbungen etc., die ebenfalls finanziert werden müssen.
Es scheint mir klar: damit ich mein T-Shirt für einen so tiefen Preis kaufen kann, arbeiten sehr viele Leute für sehr wenig Geld und zu sehr schwierigen Arbeitsbedingungen. Ich finde, wir sind uns dem oft viel zu wenig bewusst. Deshalb finde ich Aktionen wie zum Beispiel die Clean Clothes Campaign (www.cleanclothes.ch) sehr wichtig. Sie setzt sich für die Förderung von unter fairen Bedingungen produzierten Kleidern ein.
Beim nächsten Kleiderkauf werde ich wohl etwas kritischer schauen, woher mein T-Shirt kommt und einen höheren Preis in Kauf nehmen.
Mittwoch, 4. März 2009
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Liebe Rahel
AntwortenLöschenIch finde es sehr gut, dass wir uns ab und zu solche Gedanken machen und wir uns die Ungerechtigkeit dieser Welt vor Augen führen. Wie du sagst ist es einfach nicht fair, wenn so viele Leute für einen so geringen Lohn für uns arbeiten müssen und wir durch die Billigpreise gerade so in Kaufrausch kommen und gerade zwei von den billigen T-Shirts kaufen. Es ist eben schon verlockend.
Ich habe mir die Internetseite angeschaut und bin auch der Meinung, dass dies eine sehr gute Sache ist. Durch die Auseinandersetzung mit dem Thema entscheide auch ich mich, etwas mehr Geld auszugeben, dafür mit gutem Gewissen durch die Strassen zu laufen...
Mit liebem Gruss
manuela
Hallo ihr zwei
AntwortenLöschenIch finde du bringst einen ganz wichtigen Gedanken mit ein, Manu: Den Kaufrausch, der von solch billigen Kleidern noch gefördert wird. Denn genau das ist es, was mir am meisten zu denken gibt: Wir bräuchten nicht die Hälfte der Kleider, die in unserem Kleiderschrank liegen. Je billiger die Preise, desto mehr wird konsumiert, was die Billigproduktion wiederum fördert.