Donnerstag, 12. März 2009

bewusst wahrnehmen, 2. Versuch

Eine ganze Woche lang bewusst leben, das eigene Handeln bewusst wahrnehmen, die eigenen Gedanken bewusst denken, die Gefühle bewusst fühlen.. usw. das ist gar nicht so einfach, bis unmöglich. Wir Menschen funktionieren eigentlich zum grossen Teil "ungesteuert". Das heisst wir leben ganz oft in Routinen und lassen uns von einer grossen Welle der Gesellschaft mittragen. Vieles wird hingenommen und einfach gemacht - man hinterfragt längst nicht alle seine Handlungen, man handelt einfach. Bauchgesteuert. Oder eben kopfgesteuert? oder gar nicht gesteuert?
Wenn sich jeder Mensch jeden Augenblickes seines Lebens seiner Gefühle, Gedanken, Handlungen und Taten völlig bewusst wäre, würde dies sicherlich ein ganz grosses Potenzial für Veränderungen schaffen. Wahrscheinlich kämen dann aber auch ganz viele Sachen an die Oberfläche, die Mensch zu verarbeiten hätte - Im ersten Moment zusätzliche Belastungen und Schwierigkeiten - Wer will die schon? Man müsste sein Leben neu ordnen, weil man für alle seine Handlungen auf einmal wirklich, zumindest gedanklich gewissenhaft einstehen müsste.

Meine Erfahrungen in dieser Woche
Vier Tage lang habe ich jetzt versucht, ganz aufmerksam zu leben, mich selber mit all meinen Aspekten, aber auch meine Mitmenschen bewusst wahrzunehmen.
Die erste Entdeckung war, dass man sich in einem Moment vornimmt, ganz achtsam zu sein und im nächsten Moment hat man es schon wieder vergessen. 10min später ertappt man sich dabei, nicht mehr achtsam zu sein. Dann überlege ich auf einmal, ja was heisst denn das überhaupt genau, achtsam zu sein und bewusst wahrzunehmen?
Wenn ich in einer Schulstunde sitze und mich auf mein Gefühl im Körper achte, ist es mir oft passiert, dass ich auf eine Stelle im Körper fokussiert habe, die sich dann aber ganz komisch anfühlt. Vielleicht fühlt sich unser Körper beobachtet, wenn wir ihm auf einmal soviel Beachtung schenken? :) Auf jeden Fall ist er sichs nicht gewohnt.
Bei meinen Mitmenschen hatte ich auf einmal das Gefühl, manchmal zu erraten, was sie sich jetzt gerade so denken. Ich fühlte mich weniger Ich-bezogener. Je achtsamer und aufmerksamer man seinen Mitmenschen gegenüber lebt, desto empathiefähiger ist man wahrscheinlich.

1 Kommentar:

  1. Liebe Anja
    Ich finde es sehr interessant, was du dir für Gedanken gemacht hast und wie du das zu Papier (resp. Computer)gebracht hast.
    Zum Glück müssen wir uns nicht für die Ausführung von all unseren Handlungen so viele Gedanken machen. Das wäre ja ganz schön anstrengend. In einem gewissen Masse bin ich daher ganz froh, dass unser Unterbewusstsein so einwandfrei funktioniert.
    Sehr froh bin ich auch um die Routinen in meinem Leben. Sie geben mir Sicherheit und wenn sie mit spontanen Aktionen aufgemischt werden, sind sie keinesfalls langweilig.
    Bis bald, Melanie

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