Montag, 9. März 2009

Die Zugfahrt ins Toggenburg

Da ich das GA besitze, reise ich fast täglich mit dem öffentlichen Verkehr, dies ist nicht nur besser für die Umwelt, sondern kann auch bequem und manchmal sogar spannend sein. Heute habe ich mir bei meiner Rückfahrt von Rorschach ins Toggenburg vorgenommen, meine Umwelt im und um den Zug bewusst wahrzunehmen.

Als ich am Bahnhof in den Zug steigen wollte, ist mir aufgefallen, dass die Reisenden es sehr eilig hatten aus dem Zug zu steigen und die Menge bewegte sich zügig Richtung Unterführung, als ob da unten etwas kostenlos verschenkt würde. Die Menschen, die draussen warteten, konnten es kaum erwarten, bis die alte Dame mit den Krücken endlich den letzten Tritt auf den Perron geschafft hat und stürmen auf die freien Plätze. Wenn ich nun auf die vergangene Woche zurückblicke, fällt mir auf, dass sich dieses Verhalten täglich wiederholt. Liegt es daran, dass wir Menschen heute keine Zeit mehr haben und wir uns deshalb täglich in einen Wettlauf gegen die Zeit begeben?

Auf der Suche nach einem freien Platz bemerkte ich, dass in jedem Viererabteil meist nur eine Person sitzt. Auch ich setzte mich in ein freies Abteil. Ich fragte mich, weshalb wir Schweizer uns im Zug immer alleine hinsetzen? Wäre denn eine Fahrt in Gesellschaft nicht kurzweiliger?

Während der Fahrt sah ich aus dem Fenster und beobachtete die Schneeflocken, welche flink im Zugwind vorbei flitzten. Einige Flocken fanden den Weg zum Boden nicht und verwandelten sich am Zugfenster zu einem Wassertropfen. Ich fragte mich, weshalb es heute wieder schneit, obwohl wir am Wochenende wärmere Temperaturen hatten. Ist es möglich, dass dies eine Auswirkung des Klimawandels ist?

Beim nächsten Halt stieg eine Mutter mit einem kleinen Mädchen zu mir ins Abteil. Das Mädchen jammerte die ganze Zeit, da sie nach einem Stück Schokolade verlangte. Da die Mutter ihr die Schokolade nicht geben wollte, schrie das Mädchen laut auf, worauf sie die Schokolade endlich erhielt. Ist dies die geeignete Methode um ein Kind zu erziehen? Wird dieses Verhalten das Mädchen auch in der Zukunft zum gewünschten Ziel bringen?

Beim nächsten Halt musste ich aussteigen. Auch ich folgte der Menschenmasse in zügigem Tempo zur Unterführung.

6 Kommentare:

  1. Hi Bernadette
    Dein Text soll zum Denken anregen. Die Zeit verbringen wir heute die meiste Zeit in Hektik. Alles muss schnell gehen, damit wir dem Alltag entfliehen können. Je schneller wir etwas erledigen, desto schneller können wir uns den weniger wichtigen Dingen widmen, z. B. vorm Fernseher sitzen, Kochen, Bücher lesen usw., also das alles, was das Leben so ausmacht und uns von der Umwelt abschottet. Doch warum geniessen wir nicht jeden Moment und Augenblick? Warum lassen wir uns von der Hektik treiben? Dadurch erscheint die Welt dunkel und rauh. Ein kleines Lichtlein könnte Wunder bewirken, indem man sich Zeit nimmt mit seinen Mitmenschen zu unterhalten oder auch wenigstens Höflichkeit entgegen zu bringen. Denkt drüber nach.

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  2. Ja, gestern war es wirklich recht verwirrend, was uns Petrus an Wetterkapriolen vorgesetzt hatte. Kaum schneite es noch, durchbrach die Sonne auch schon wieder die Wolkendecke und es sah aus, als ob nun ein Frühlingstag erster Güte folgen würde.
    Dass wir gerne alleine im Zugabteil sitzen hat sicherlich damit zu tun, dass man auch etwas abschalten will. Wir alle kennen das Gefühl nach einem langen Schul- oder Arbeitstag, wenn man sich im Zug nur noch auf seinen Sitz fallen lassen und schweigen möchte. Diesbezüglich gibt es ja immer wieder den Vorwurf, dass man in anderen Ländern in das Abteil sitzt, wo schon jemand ist und nicht dort, wo noch niemand ist. Aber ich weiss nicht, ob man diese Tatsache den Schweizern zum Vorwurf machen darf. Wir sind jetzt einfach so und möchten meistens unsere Ruhe haben, wenn wir alleine Zug fahren. Aber deswegen sind wir ja keine schlechteren Menschen oder Assis. So oder so - Zugfahren macht einfach Spass. Vor allem, wenn man in der glücklichen Lage ist und ein GA hat;-)

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  3. Liebe Bernadette

    Ich fahre ja oft mit dir Zug und als ich deinen Text gelesen habe, sah ich das Ganze gerade vor mir. Es ist immer der gleiche Ablauf, dem wir uns eigentlich bewusst sind, aber trotzdem nicht wirklich wahrnehmen. Auch ich steige zügig in den Zug, suche mir ein freies Viererabteil und setze mich ans Fenster. Da frage ich mich wirklich auch, ob das typisch schweizerisch ist? Ich denke eigentlich schon. Wir Schweizer werden ja von Menschen aus anderen Ländern oft als zurückhaltend bezeichnet. Da passt es ja, dass wir im Zug möglichst für uns sein wollen. Wäre interessant zu sehen, wie es in anderen Ländern ist. Ich hoffe ich kann mir das so lange merken, bis ich in den nächsten Ferien einmal im Zug oder Bus sitzen werde und dir es dann anschliessend erzählen kann.

    Liebe Grüsse Daniela Hollenstein, LG06Ad

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  4. Mit deinen Beobachtungen hast du genau den Punkt ins schwarze getroffen. Ich habe mir schon oft ähnliche Überlegungen während Zugfahrten gemacht.
    Gerade auf den Bahnhöfen ist meistens ein reges Getriebe. Alle haben es eilig um nach Hause oder zur Arbeit/Schule zu gehen.
    In unserer Gesellschaft gilt 'Zeit ist Geld'. Alles muss schnell gehen. Man hat fast keine Zeit mehr um inne zuhalten, etwas zu geniessen. Deshalb ist es interessant, wenn man sich aus all dem mal 'ausklinkt' und versucht die Umgebung um sich ganz bewusst wahrzunehmen.

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  5. Liebe Bernadette

    Du hast von den komischen Wetterverhältnissen berichtet, die in letzter Zeit an der Tagesordnung sind. Naja, also darüber mache ich mir keine grossen Gedanken. Vielleicht ist das ja das vorgezogene Aprilwetter, von dem nur wenige schwärmen. Sorgen mache ich mir da nur über Dinge, die man tatsächlich auf den Klimawandel zurückführen kann. Solche Wetterschwankungen gab es ja schon immer. Meine Grossmutter erzählt mir oft davon.
    Was deine Zugreise angeht: Ich fand die Beobachtung zu den Schneeflocken sehr schön. Man spürt beim Lesen heraus, dass du nicht nur achtsam warst, sonder auch bereit, auf die kleinen Dinge zu achten. In meinen Augen ist dies ein grosser Unterschied. Die Leute, die du achtsam wahrgenommen hast, haben mich hingegen eher kalt gelassen. Wie du selber gesagt hast, gehören viele von uns auch zu denjenigen. Meistens habe ich aber einen Grund, weshalb ich alleine oder einfach in einer ruhigen Ecke sitzen möchte. Zeit ist doch bekanntlich Geld! Während der Zugfahrt möchte ich oft die Zeit nutzen und Aufgaben oder Lektüre durchzuackern. Ich denke, dass es viele ähnliche Fälle gibt. Dies respektiere ich auch. Und zu den übrigen...naja, da müssten wohl eher sie sich dazu Gedanken machen und nicht wir!

    Liebe Grüsse, Martina Bischof, LG06Fg

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  6. Liebe Bernadette

    Ich finde du hast dir auf deiner Zugfahrt sehr viele gute Überlegungen gemacht. Vor allem die Tatsache, dass man sich immer in ein leeres Abteil setzt, fällt mir auch oft auf. Ich denke das hat ein bisschen mit Verschlossenheit, Hemmung, aber auch Anstand und Gewohnheit zu tun. Ich finde dies jedoch weniger schlimm, als die Art und Weise, wie die Leute auf den Bahnhöfen hektisch umhereilen, so wie du es beschrieben hast. Ich finde da sollte man sich selber bewusst ein bisschen mehr Zeit nehmen und sich nicht vom Strom mitziehen lassen.

    Liebe Grüsse
    Rahel Giezendanner, LG 06A

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